Folge 03

Lenkrad speckig? So wird dein Lederlenkrad wieder matt

Ein speckiges Lenkrad sieht nicht nur unschön aus, es fühlt sich auch falsch an. Glatt, leicht klebrig, rutschig bei warmen Händen. Die gute Nachricht: Das ist in den allermeisten Fällen kein Verschleiß, sondern Schmutz. Und Schmutz kann man abnehmen.

Joshua Ender 5 Min. Lesezeit

Wir haben in der Halle Fahrzeuge stehen, bei denen das Lenkrad nach 40.000 Kilometern aussieht wie poliert. Der Besitzer denkt, das Leder ist durch. In neun von zehn Fällen ist es das nicht.

Warum das Lenkrad überhaupt speckig wird

Deine Hände liegen bei jeder Fahrt am selben Punkt. Was dabei ins Leder geht, ist eine Mischung aus Handschweiß, Hautfett, Handcreme, Sonnencreme und Desinfektionsmittel. Dazu kommt Reibung. Diese Schicht baut sich langsam auf und wird durch den ständigen Druck der Hände regelrecht verdichtet.

Das Ergebnis ist eine glatte, geschlossene Oberfläche, die das Licht anders reflektiert als frisches Leder. Genau das nimmst du als Glanz wahr. Auf der Fahrerseite und im Bereich zwischen zehn und zwei Uhr ist es fast immer am schlimmsten. Da liegen die Hände am längsten.

Nur mattes Leder ist sauber

Das ist der Satz, an dem du dich orientieren kannst. Neues Leder ist matt. Es hat eine feine, offene Struktur, die Licht streut statt es zu spiegeln. Wenn dein Lenkrad glänzt, liegt eine Schicht darauf, die da nicht hingehört.

Der Glanz ist also kein Zeichen von Abnutzung, sondern eine Anzeige. Solange es glänzt, ist es nicht sauber. Das ist auch der Maßstab beim Arbeiten. Du hörst nicht auf, wenn es sauber aussieht, sondern wenn der Glanz weg ist.

Was du brauchst

  • Einen Lederreiniger mit passendem pH-Wert. Leder ist leicht sauer, der Reiniger sollte das auch sein.
  • Ein Scrub Pad, also ein weiches Reinigungspad. Keine Bürste mit harten Borsten.
  • Ein Mikrofasertuch zum Abnehmen.

Was du nicht brauchst: Allzweckreiniger, Spülmittel, Alkohol oder Hausmittel. Alle vier sind zu aggressiv und entziehen dem Leder Fett, das später fehlt.

So reinigst du dein Lederlenkrad

Reiniger sparsam aufbringen

Etwas Reiniger auf das Scrub Pad, nicht direkt aufs Lenkrad. Übertreiben musst du nicht. Zu viel Produkt macht das Ergebnis nicht besser, es macht nur mehr Arbeit beim Abnehmen.

Auf dem Bereich verteilen

Verteile den Reiniger erst einmal locker auf dem Abschnitt, den du bearbeiten willst. Arbeite in Abschnitten, nicht am ganzen Lenkrad gleichzeitig.

Ohne Druck arbeiten

Das ist der Punkt, an dem die meisten etwas falsch machen. Kein großer Druck, eigentlich gar kein Druck. Du schaust nur, dass das Pad Kontakt zum Leder hat. Der Reiniger soll arbeiten, nicht deine Kraft.

Wer fest schrubbt, poliert die Oberfläche zusätzlich glatt und macht damit genau das Gegenteil von dem, was er will.

Mit dem Mikrofasertuch abnehmen

Den gelösten Schmutz nimmst du mit einem sauberen Mikrofasertuch ab. Danach lässt du die Stelle kurz ablüften.

Wiederholen

Jetzt schaust du dir das Ergebnis an. Glänzt es noch, machst du den Vorgang einfach nochmal. Und wenn nötig ein drittes Mal. Zwei sanfte Durchgänge bringen mehr als ein kräftiger.

Du hörst auf, wenn du zufrieden bist. Der gleiche Ablauf funktioniert übrigens genauso für die Sitze. Da ist die Fläche nur größer.

Was du auf keinen Fall machen solltest

Pflegecreme auf das speckige Lenkrad geben. Das ist der häufigste Fehler. Die meisten Lederpflegen enthalten Öle. Auf einem verschmutzten Lenkrad legen die sich auf die Schmutzschicht und erzeugen zusätzlichen Glanz. Es sieht danach kurz gut aus und ist zwei Tage später schlimmer als vorher.

Erst reinigen, dann entscheiden, ob überhaupt gepflegt werden muss. Am Lenkrad ist Pflege oft gar nicht nötig, weil die Hände ständig Fett nachliefern.

Zu harte Bürsten. Die hinterlassen Kratzer in der Lederoberfläche, die du nicht mehr wegbekommst.

Feuchtigkeit stehen lassen. Nach dem Reinigen kurz ablüften lassen, bevor du losfährst.

Wenn Reinigen nicht mehr reicht

Hier wird es ehrlich, und das ist uns wichtiger als ein schöner Abschluss.

Wenn dein Lenkrad nach drei Durchgängen immer noch glänzt, liegt es nicht mehr an der Verschmutzung. Dann ist die Lederoberfläche selbst beschädigt. Typisch dafür ist, dass die Farbschicht an den Griffstellen dünn geworden ist oder das Leder dort heller wirkt.

In dem Fall hilft Reinigen nicht weiter. Das ist ein Fall für Lederrestaurierung, also Anschleifen, Neufärben und Versiegeln. Das ist eine andere Baustelle, ein anderer Aufwand und ehrlich gesagt auch ein anderer Preis.

Wie du beides unterscheiden kannst

Wenn nach dem Reinigen ein sauberes, aber leicht helleres Feld sichtbar wird, ist Farbe abgetragen. Wenn es einfach nur matt und gleichmäßig aussieht, war es Schmutz und du bist fertig.

Gilt das auch für Alcantara?

Nein. Alcantara ist Mikrofaser und kein Leder. Es wird ebenfalls speckig, aber die Fasern legen sich dabei flach. Da brauchst du einen Reiniger für textile Oberflächen und musst die Fasern nach dem Trocknen wieder aufrichten. Bitte nicht mit Lederreiniger behandeln.

Wenn du es lieber machen lässt

Ein Lenkrad ist in zehn Minuten gemacht. Ein kompletter Innenraum mit Sitzen, Türverkleidungen, Teppich und Lüftung ist etwas anderes, und ab einem gewissen Verschmutzungsgrad kommst du mit Pad und Tuch nicht mehr weiter.

Wir sitzen in Bornheim und arbeiten im Raum Bonn, Erftstadt und Euskirchen. Schick uns ein Foto von deinem Innenraum, dann sagen wir dir ehrlich, ob sich eine Innenreinigung lohnt oder ob du das selbst hinbekommst.

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